25.06.2012

Gentechnik - Kritik an einem SPIEGEL-Artikel zu einer gentechnisch manipulierten Reissorte

‎"Die Gentechnik-Debatte wird nur hochemotional geführt" - und 500.000 Kindern die Blindheit ersparen - lässt die Gefühle nicht kalt. Oder?
Aber ich sehe da mal eher, dass die Markteinführung einer Gentechnik über die Hintertür Dritte Welt als Wohltat beworben wird, zumal es keine Kunst ist, in den Regionen der Ärmsten auch verschimmelte Pommes an den Mann zu bringen.
Einkreuzen und Selektieren machte die Menschheit zu allen Zeiten, um sich die Erträge zu erhöhen, was uns die heutige Fülle an Kulturpflanzen beschert. Es war unvergleichbar primitive "Gentechnik", sehr beschwerlich, sehr langsam erfolgend und daher mit vielen Generationen Erfahrungen begleitet. Auch sehr schlechten. Die heutige Gentechnik ist komplett anderes, nicht nur im Tempo, sondern auch im Motiv, wenn entwickelt wird, was die Landwirtschaft dann nicht mehr regenerativ anbauen kann, sondern entweder Saatgut neukaufen muss, oder falls es sich noch vermehrt, dann nur gegen Patentgebühr, weil alles mit Patenten gentechnisch kontaminiert wird. Ähnlich dem Strichcode an der Supermarktkasse.
Das ist nicht einfach nur ein "hochemotionales Problem", sondern ein grundsätzliches, ob wir solche Entwicklung überhaupt wollen, dass die Landwirtschaft über die Düngemittel, Pestizide und Herbizide hinaus nun auch noch hinsichtlich ihrer vormaligen Eigenprodukte von Zulieferern abhängig werden soll.
Ebenso grundsätzlich, ob uns der Preis der Unerfahrenheit mit gentechnisch veränderten Ressourcen nicht zu hoch wird, bloß weil die intellektuellen und politischen Widerstände fehlen, den bereits oft erwiesen falschen Versprechungen einer neuen Industrie Glauben, Gewinne und Bedeutung zu schenken, die sich dann in unserer Politikerschar den Lobbyismus zusammenkaufen.
Die Naivität vieler Möchtegern-Fortschrittsgläubigen, die einfach mal alles glauben, was ihnen die Experten versprechen, obwohl sie die Gebundenheit vieler Experten zumindest erahnen, übertrifft nicht selten die Naivität von fortschrittsverdrossenen Romantikern, die zurück in die Steinzeit möchten.
Es soll kein Plädoyer für das Ende irgendeiner Wissenschaft sein, auch nicht der Gentechnik, wenngleich sich in einigen Bereichen ein Moratorium dringend empfiehlt, weil wir die Folgen nicht übersehen und/oder der Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Risiken steht oder zu den Kosten.
Stattdessen muss Plädoyer für eine verantwortungsfähige Wissenschaft sein, für eine Grundlagenforschung, die aus Steuermitteln finanziert Allgemeingut wird, damit sie ihre Ergebnisse nicht danach sortiert/aussortiert, was Abhängigkeit schafft.
Überlassen wir die Wissenschaft und die Ressourcen des Lebens zu sehr den Geschäftsideen, so wird alsbald nach dem Wasser auch die Atemluft in Pfandflaschen abgefüllt - und manche können sich davon leisten.

Markus Rabanus >> Diskussion

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